  g(11696700)a(1393595))
| | Rubini Giovanni Battista | | tenore | 
| Er studierte bei seinem Vater und bei Maestro Rosio in Bergamo, später noch bei Andrea Nozzari in Neapel. In seinem Heimatort sang er bereits als Chorist. 1814 kam es zu seinem Debüt als Solist am Theater von Pavia in der Oper "Le lagrime di una vedova" von Generali. In den folgenden zehn Jahren hatte er zunehmend Erfolge an italienischen Opernhäusern, vor allem am Teatro San Carlo Neapel, an dem er 1815 als Lindoro in Rossinis "Italiana in Algeri" debütierte. Dort wirkte er auch in der Uraufführung der Oper "Anacreonte in Samo" von Saverio Mercadante (1.8.1820), am 30.5.1826 in der von "Bianca e Fernando" von Bellini und am 6.7.1826 in der von Donizettis "Elvina" mit und war bis 1829 ständig an diesem Theater zu hören, u.a. am 12.2.1829 in der Uraufführung einer weiteren Donizetti-Oper "Il Paria". Er kam dann zu einer glänzenden Karriere an der Mailänder Scala, wo man ihn seit 1818 (u.a. 1818 in der Uraufführung der Oper "Il Barone di Dolsheim" von Giovanni Pacini), dann wieder 1825-31 hörte und namentlich 1827 als Giacomo in "La Donna del Lago" von Rossini feierte. In der Spielzeit 1829-30 brillierte er an der Scala in einer Anzahl von Partien in den Opern von Rossini und wirkte in der Uraufführung von Giovanni Pacinis Oper "Il Talismano" mit (10.7.1829). Bereits 1825 (und dann wieder 1831-43) trat er am Théâtre-Italien in Paris auf, und auch dort hatte er in Opern von Rossini geradezu sensationelle Erfolge. Das Publikum brach in wahre Begeisterungsstürme aus, als er den Ramiro in "La Cenerentola", den Titelhelden in Rossinis "Otello" und den Giacomo in dessen "La Donna del Lago" interpretierte. Man glaubte, seit Menschengedenken keinen Tenor von dieser Schönheit mehr gehört zu haben. Die gleichen Erfolge stellten sich in London ein, wo er 1831, 1834, 1838 und 1840-43 am Her Majesty's Theatre erschien. 1843 unternahm er zusammen mit Franz Liszt eine Tournee durch Holland, Belgien und Deutschland. 1843-47 war er regelmäßig an der Hofoper von St. Petersburg anzutreffen. Das Publikum in der Zarenresidenz umjubelte den Künstler genau so stürmisch wie das westeuropäische Publikum; die russischen Komponisten Glinka und Rubinstein bewunderten ihn ebenso wie Frédéric Chopin. In St. Petersburg zahlte man ihm in einer Saison die für damalige Verhältnisse riesenhafte Gage von 20.000 englischen Pfund. Seine Gastspiele in Berlin, Brüssel, Madrid, Moskau, Warschau und New York bedeuteten Höhepunkte im Musikleben dieser Städte. Viele große Opernwerke, die in seiner Epoche entstanden, wurden durch ihn kreiert. 1827 wirkte er am Teatro San Carlo Neapel in der Uraufführung von Giovanni Pacinis Oper "Niobe" (als Partner von Giuditta Pasta) mit. Am 27.10.1827 sang er an der Mailänder Scala in der Uraufführung von Bellinis Oper "Il Pirata" die Partie des Gualtiero, (die er auch 1832 in der französischen Erstaufführung am Théâtre-Italien von Paris als Partner von Wilhelmine Schroeder-Devrient sang), am 6.3.1831 wiederum an der Scala den Elvino in "La Sonnambula" mit der berühmten Primadonna Giuditta Pasta als Amina, am 25.1.1835 am Théâtre-Italien in Paris den Arturo in der Uraufführung von Bellinis "I Puritani" zusammen mit Giulia Grisi, Antonio Tamburini und Luigi Lablache. Noch im September des gleichen Jahres sangen diese vier Künstler beim Begräbnis Bellinis in Paris ein Lacrimosa nach der Melodie der Szene "Credeasi misera" aus "I Puritani". 1832 kreierte er für Paris den Edgardo in "Lucia di Lammermoor", am 22.3.1836 wirkte er am dortigen Théâtre-Italien in der Uraufführung der Oper "I Briganti" von Mercadante mit. Schließlich gestaltete er in der Uraufführung der Donizetti-Oper "Anna Bolena" am 26.12.1830 am Teatro Carcano in Mailand die Rolle des Percy, während Giuditta Pasta die Titelpartie kreierte. Beide Künstler sangen die gleichen Rollen in der englischen Erstaufführung der Oper 1831 am Londoner Her Majesty's Theatre. Dort sang er auch 1839 den Arnoldo in der englischen Erstaufführung von Rossinis "Wilhelm Tell" und am 19.7.1838 den Fenton in der Uraufführung der Oper "Falstaff" von M.Balfe. Viele von diesen Partien waren für ihn und seine besonderen stimmlichen Fähigkeiten komponiert worden. Diese Stimme war überaus ausdrucksvoll und wohlklingend, dabei von einer enormen Kraft und Tonfülle; sie hatte einen Stimmunfang, der vom e bis zum hohen b reichte mit einem Falsettregister bis zur Höhe des hohen g. Er war der erste Sänger, der den Schluchzer bewußt und ausgiebig in seine Ausdruckspalette einbaute. Wenn er damit oft ganz erstaunliche Wirkungen auf sein Publikum ausüben konnte, so wurde dadurch eine im ganzen gefährliche Entwicklung eingeleitet. Ohne Zweifel war er jedoch der bedeutendste Tenor in der Epoche der Belcanto-Oper, der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; die Partien, die er als erster gestaltet hatte, wurden ganz mit seiner Person identifiziert und alle seine Nachfolger an den von ihm gesetzten Maßstäben gemessen. Richard Wagner, der den Sänger 1840 in Paris als Don Ottavio im "Don Giovanni" hörte, verglich seinen Vortrag der Arie "Il mio tesoro intanto" mit der Akrobatik eines Trapez-Artisten. Chorley, der ihn als "a genius" bezeichnete, meint, daß er sein Publikum "geradezu verzaubere", der berühmte Bariton Antonio Tamburini äußerte sich: "Ich stelle ihn über alle anderen Tenöre". Die großen Komponisten seiner Zeit bewunderten uneingeschränkt sein Können. Dagegen scheinen seine darstellerischen Fähigkeiten nicht besonders groß gewesen zu sein. 1845 beendete er seine große Karriere. Er soll 1848 den sterbenden Donizetti aufgesucht und vor ihm gesungen haben, doch war dieser nicht mehr imstande, darauf zu reagieren. Seinen Ruhestand verbrachte Rubini in seinem Geburtsort Romano. 1819 heiratete er die Sopranistin Adelaide Chaumel (auch Chomel geschrieben; ?1874), die als Adelaide Rubini-Comelli und unter dem Namen La Comelli auftrat. Der große Sänger gab "12 lezioni di canto" und unter dem Titel "L'addio" eine Sammlung von sechs Liedern heraus. Ein von Manet gemaltes Porträt des Künstlers ist im Besitz des Kröller-Müller-Museums in Otterloo in Holland.Lit.: C.Traini: "Il cigno di Romano, Giovanni Battista Rubini, re dei tenori" (1954); E.Gara: "Giovanni Battista Rubini" (Bergamo, 1968). |
|
|
|